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EK Dezember 2018

Eisenbahn-Kurier Dezember 2018

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Bombardier übernimmt als Entwicklungspartner von Siemens wichtige Rolle beim Großprojekt ICx

DB2396Der neue ICX in einer Animation am Rhein. Bild: Siemens Mobility

[16. Mai 2011 (BT)] Bombardier Transportation hat mit der Siemens AG einen Rahmenvertrag über die Entwicklung und Lieferung wesentlicher Komponenten von bis zu 300 ICx Hochgeschwindigkeitszügen für die Deutsche Bahn AG (DB AG) abgeschlossen.

icx2Der ICx auf freier Strecke. Bild: DB

Der erste Abruf umfasst 130 Züge und hat für Bombardier ein Auftragsvolumen von ungefähr 1,3 Milliarden Euro (1,8 Milliarden US-Dollar). Ein weiterer Abruf über 90 zusätzliche Züge bei Siemens ist von der DB AG geplant. Das auf Bombardier entfallende Auftragsvolumen für die insgesamt 220 Züge beträgt voraussichtlich 2,1 Milliarden Euro ). Der Rahmenvertrag zwischen Siemens und der DB AG enthält außerdem eine Option für bis zu 80 weitere Züge, die jederzeit bis zum Jahr 2030 abgerufen werden können. 

Siemens hat mit Bombardier ein innovatives und flexibles Fahrzeugkonzept entwickelt, mit dem sich der ICx individuell an die Bedürfnisse verschiedener Verkehrsaufgaben anpassen lässt. 

Bombardier liefert für Siemens unter anderem die Wagenkästen sowie die Lauf-Drehgestelle der neuen ICx-Flotte. Des Weiteren wird Bombardier die Endmontage für alle Endwagen sowie für einen Teil der Mittelwagen durchführen. 
Stéphane Rambaud-Measson, Präsident der Division Passengers, sagt: „Wir sind stolz, dass wir von Siemens den Auftrag erhalten haben, das Projekt ICx mit zu gestalten. Mit den bei Bombardier entwickelten und produzierten innovativen Technik-Lösungen leisten wir einen wichtigen Beitrag für dieses zentrale Projekt der Deutschen Bahn. Der ICx wird den Fernverkehr der Zukunft in Deutschland maßgeblich mitbestimmen und ein Vorzeigeprojekt sein.“

Oliver Schmidt, Vizepräsident Sales North der Division Passengers, sagt: „Wir freuen uns sehr, in einem weiteren Großprojekt in unserem Heimatmarkt Deutschland eine maßgebliche Rolle zu übernehmen. Aus den Standorten Görlitz, Hennigsdorf und Siegen heraus werden wir zentrale Technologieanteile des ICx umsetzen. Dazu gehören die Aerodynamik, der innovative Wagenkasten und das BOMBARDIER FLEXX Eco-Drehgestell. Damit tragen wir erheblich zur Wirtschaftlichkeit der Züge und zum Komfort der Fahrgäste bei.“

Die Stahl-Wagenkästen für die neuen Hochgeschwindigkeitszüge sind in Aerodynamik und Gewicht optimiert und ermöglichen erhebliche Energieeinsparungen. Sie werden im Bombardier-Werk in Hennigsdorf entwickelt und in Görlitz gefertigt. Die Projektleitung ist an beiden Standorten vertreten. In Hennigsdorf findet die Endmontage aller Endwagen statt. Pro Zug wird Bombardier dort auch die Endmontage für jeweils einen Mittelwagen durchführen. Die FLEXX Eco-Laufdrehgestelle reduzieren Fahrzeuggewicht, Energieverbrauch und Lärmemission. Sie kommen aus dem Bombardier-Werk in Siegen. Die Produktion des ICx beginnt im Sommer 2013.

Über die Bestellung der neuen Fernverkehrsflotte der DB hatten wir am 9.Mai 2011 berichtet:

[09. Mai 2011 (DB)] (mit Foto-Update 10.5.2011!) Die Deutsche Bahn AG und die Siemens AG haben heute in der DB Akademie in Potsdam, im ehemaligen Kaiserbahnhof, den Milliardenauftrag zum Bau von bis zu 300 neuen Fernverkehrszügen offiziell unterzeichnet.

icx3Der ICx im Berliner Hauptbahnhof. Bild: DB

In Anwesenheit des Bundesministers für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Peter Ramsauer, und des Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn AG, Professor Dr. Dr. Utz-Hellmuth Felcht, besiegelten der Vorstandsvorsitzende der DB, Dr. Rüdiger Grube, und Peter Löscher, Vorsitzender des Vorstandes der Siemens AG, das 8.000 Seiten starke Vertragswerk. Aus dem Rahmenabrufvertrag mit einer Laufzeit bis 2030 ruft die DB sofort 130 Züge ab. Weitere 90 sind geplant. Das mögliche Auftragsvolumen für die 220 Züge beträgt rund sechs Milliarden Euro. Die verbliebenen 80 Züge kann die DB jederzeit in Auftrag geben.

„Das ist ein guter Tag für die deutsche Wirtschaft. Vom Rohbau bis zur Endmontage werden die Züge in Deutschland gefertigt. Der Auftrag sichert tausende von Arbeitsplätzen, auch in der mittelständischen Zulieferindustrie“, erklärte der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Peter Ramsauer.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn, Professor Dr. Dr. Utz-Hellmuth Felcht, sagte: „Mit der Beschaffung der neuen ICx-Züge sichern wir die nachhaltige und erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens ab.“

DB-Chef Grube erklärte: „Mit dem ICx legen wir den Grundstein für den Fernverkehr der Zukunft und setzen neue Maßstäbe bei Zuverlässigkeit, Umweltfreundlichkeit und Komfort. Davon profitiert das System Bahn. Insbesondere unsere Kunden können sich auf den modernsten Zug der Welt freuen.“„Die Energieeffizienz und Modularität dieser Fahrzeuge bieten eine nie dagewesene Wirtschaftlichkeit im Betrieb, die flexible Raumgestaltung einen neuen Komfort für die Fahrgäste. Damit setzt der ICx neue Standards für den Verkehr zwischen Ballungsräumen und Städten“, sagte Siemens-Chef Peter Löscher.

DB2412Der ICx im Berliner Hauptbahnhof. Bild: DB

Der ICx wird das Rückgrat des zukünftigen Fernverkehrs der DB. Technische Basis ist ein innovatives Plattformkonzept. Es setzt jedoch auch auf bewährte Komponenten, die in verschiedenen Ausstattungs- und Ausrüstungsvarianten bereits in anderen Zugserien international erfolgreich im Einsatz sind. Trotz seiner technischen Einheitlichkeit bei den Fahrzeugen erlaubt der ICx ein hohes Maß an Flexibilität bei der Zusammenstellung von bis zu 24 verschiedenen Zugkonfigurationen. Möglich wird dies durch sogenannte Powercars, die alle Komponenten einer Antriebseinheit in einem Wagen bündeln. Damit können die Züge entsprechend dem Reisendenaufkommen und der geforderten Leistung unkompliziert angepasst werden. Weiterhin gewährleistet das Plattformkonzept deutlich günstigere Instandhaltungs- und Wartungskosten.

001aDer Führerstand des ICx. Bild: Siemens Mobility

Der ICx wird in zwei Varianten gebaut. Variante eins ist ein 7-teiliger Triebzug mit drei angetriebenen Powercars. Er erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern und verfügt über 499 Sitzplätze. Dieser Zug soll vor allem im heutigen IC-Netz zum Einsatz kommen. Da dort der Anteil von Streckenabschnitten, die mit über 200 Stundenkilometern befahren werden können, eher gering ist, reicht diese Höchstgeschwindigkeit aus. Variante zwei ist ein 10-teiliger Triebzug mit bis zu fünf Powercars und 724 Sitzplätzen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 249 Stundenkilometern. Damit können diese ICx-Züge die ICE 1 und ICE 2-Flotte ersetzen, die heute meist mit einer Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometern verkehren. Lauftechnisch sind alle ICx in der Lage, 249 Stundenkilometer zu fahren. Für Geschwindigkeiten über 250 Stundenkilometer steht die Bestandsflotte der ICE 3 Züge zur Verfügung.

icx4Blick in den Mehrzweckraum des ICx. Bild: DB

DB2473Die neue Reservierungsanzige im ICx. Bild: DB

DB2474Ein Blick in die 1.Klasse des ICx. Foto: DB

001bSitzgruppe 2.Klasse im ICx. Bild: Siemens Mobility

Zu beiden ICx-Varianten gehören je ein voll ausgestattetes Bordrestaurant mit 17 beziehungsweise 23 Sitzplätzen sowie ein Bistro mit Stehbereich. Zudem verfügen die Züge über ein Familienabteil und acht reservierungspflichtige Fahrradstellplätze. Die Entwicklung einer neuen Sitzgeneration ermöglicht mehr Freiraum am Platz trotz erhöhter Zahl der Sitze. Beim Verstellen des Sitzes klappt die Rückenlehne nicht mehr nach hinten, sondern sie bewegt sich innerhalb der Sitzschalenkontur.

In der 1. Klasse ist beim ICx jeder Sitz mit Steckdosen und zuschaltbaren Leselampen ausgestattet. In der 2. Klasse verfügen die Doppelsitze über jeweils eine Steckdose. Je Wagen sind bis zu sechs Deckenbildschirme und in den Einstiegsräumen jeweils ein Monitor für Fahrgastinformationen angebracht. Für Reisende mit eingeschränkter Mobilität verfügen die Züge über jeweils eine fahrzeuggebundene Einstiegshilfe und ein behindertengerechtes WC.

icx5Der Kiosk im ICx. Bild: DB

Dank seiner deutlich verbesserten aerodynamischen Form reduziert sich der Fahrwiderstand gegenüber den bisher eingesetzten ICE-Zügen deutlich. Durch eine leichtere Bauweise konnte außerdem das Gewicht bei einem 200 Meter langen Zug um rund 20 Tonnen reduziert werden. Der Energieverbrauch pro Fahrgast sinkt um bis zu 30 Prozent gegenüber vergleichbaren Bestandszügen.  Bei der Ausgestaltung des Vertrages wurde ein Schwerpunkt auf die Festschreibung von Qualitätsmerkmalen gelegt. So werden erstmalig in Europa zwei Züge der ICx-Baureihe vor Aufnahme der Serienfertigung einen 14-monatigen Probebetrieb, davon 12 Monate im Fahrgastbetrieb, durchlaufen. Mögliches Verbesserungspotenzial soll so frühzeitig erkannt werden. Zusätzlich wurde eine 7-jährige Monitoringphase vereinbart, in der Daten aus dem Betrieb der Züge direkt an Siemens zurückgespeist werden. Außerdem werden Siemens und die DB erstmals gemeinsame Meilensteine in der Konstruktions- und Fertigungsphase festlegen, die einstimmig abgenommen werden müssen. Die ersten ICx-Züge sollen im Laufe des Jahres 2016 in den Einsatz kommen. Dabei erfolgt die Inbetriebnahme der neuen Züge linienbezogen. Der Einsatz der ICx-Züge für Verkehre in Deutschland hat Vorrang vor europäischen Nachbarländern.