In memoriam Horst Troche
Am 29. April verstarb Dipl.-Ing. Horst Troche im Alter von 83 Jahren in Mannheim.
Wir verlieren einen ganz großen Eisenbahner, einen vom alten Schlag. Er hat die Eisenbahn als große Gemeinschaft gesehen und uns das auch so vorgelebt.
Die Leistungen von Horst Troche vollständig zu würdigen, dafür reicht der Platz im Rahmen dieses Nachrufs bei weitem nicht aus. Allein sein beruflicher Werdegang ist beispiellos: Horst Troche studierte an der TH Darmstadt Maschinenbau und hat im Anschluss eine Referendarausbildung bei der DB gemacht. Nach der zweiten Staatsprüfung blieb er bei der DB und durchlief zahlreiche Dienststellen: Kbw Frankfurt, MA Frankfurt, AW Kassel, AW Braunschweig, AW Lingen, BZA Minden (Westf). Von 1966 bis 1971 war er zunächst Abteilungsleiter, später Werkdirektor des AW Witten (Ruhr). Danach wurde er Dezernent für die Wagenwerke, dann Abteilungsleiter für Planung und Steuerung und 1980 schließlich Direktor der Zentralstelle für den Werkstättendienst in Mainz. Nach Auflösung dieser Dienststelle kam Horst Troche als Referent und Hauptabteilungsleiter für den Betrieb der Werke zur Hauptverwaltung der DB. Im Jahr 1995 ging er im Rang eines Ministerialrats in den Ruhestand.
Den meisten Eisenbahnfreunden ist sein Engagement im Rahmen der Veranstaltungen zu „150 Jahre Deutsche Eisenbahnen“ 1985 bekannt: Ohne ihn hätte es keine betriebsfähige DB-Dampflok oder gar Dampfsonderfahrten gegeben. Die nicht wiederholbaren Nürnberger Fahrzeugparaden und die Bochumer Ausstellung waren ebenfalls sein Verdienst – er hat damals als Erster die DB mit den Museumsbahnvereinen zusammengebracht. Die Übernahme von 01 150 durch die DB und deren Aufarbeitung 1989 in Offenburg hatte Horst Troche initiiert. Der Kontakt zu den Nürnberger Lok-Kameraden von 1985 („Die Dampferer“) war ihm bis zuletzt wichtig.
Viele Fahrzeuge hat Horst Troche für die Bundesbahn 1984 und 1985 aufarbeiten lassen: Die pr. G 3 „3143 Saarbrücken“, 39 230 und zahlreiche weitere historische Loks aus dem DB-Bestand wurden perfekt restauriert. Nicht zu vergessen die 20 Vorkriegswagen, die für die Sonderfahrten des Jubeljahres betriebsfähig aufgearbeitet wurden. Dass diese Fahrzeuge vor sich hingammelten, zum Teil verkauft und sogar verschrottet waren, hatte ihn sehr gestört. Noch viel größer war für ihn aber der Schmerz, den er durch den Verlust der historischen Fahrzeuge im Bw Nürnberg Hbf beim Brand im Oktober 2005 erlitt. Die am Tag nach dem Brand von ihm am Telefon geäußerten Befürchtungen sind dann auch vollumfänglich eingetreten.
Der „Gläserne Zug“ – leider nach einem Unfall mit Rahmenschaden irreparabel abgestellt – war ebenfalls eines seiner Steckenpferde. Horst Troche hat sich oft selbst um die Einsätze und die Ausflugsziele des interessanten Einzelstücks gekümmert.
Sein Wirken war für die gesamte deutsche Museumsbahnszene sehr bedeutend: Bei der Gründung des VDMT flossen auch seine Erfahrungen und seine Gedanken mit ein. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst bei der DB hat Horst Troche weiter Fahrdienst auf 01 118 der HE und anderen Museumsloks geleistet. Dabei ging er mit den Fahrzeugen stets behutsam und gewissenhaft um – er wusste um den historischen Wert und hat die Loks nicht „geprügelt“.
Später blieb er ein äußerst kompetenter Ansprechpartner für die Vereine, der in vielen Fragen mit seinem umfassenden Wissen und seiner großen Sammlung helfen konnte und wollte. Und wenn er die nötige Information mal nicht sofort parat hatte, wusste er, wo sie zu finden waren. Selbst über eine bei der DB 1953 ausgeschiedene Baureihe wie die 5810-21 hatte er Unterlagen. Er behandelte Anfragen immer freundlich und geduldig. Er konnte die kompliziertesten Zusammenhänge erklären, er ging dabei geschickt auf das beim Gegenüber vorhandene Wissen ein.
Der Eisenbahn-Kurier hat einen sehr kompetenten Autor verloren. Seine Mitarbeit und sein Rat war für uns sehr hilfreich. Die Zusammenarbeit mit Horst Troche war immer sehr angenehm, kameradschaftlich, erfrischend und von Freundlichkeit geprägt. Er schrieb nicht nur einige viel beachtete Werke, sondern er half gleichzeitig bei vielen EK-Büchern im Hintergrund mit, indem er sich Manuskripte durchlas und mit gutem Rat dem Autor zur Seite stand oder einfach gute Hinweise gab.
In vielen Gesprächen durfte ich Herrn Troche über das Geschäftliche hinaus kennenlernen. So weiß ich um sein kulturelles Engagement, er interessierte sich beispielsweise sehr für die „Backsteingotik“ historischer Kirchen und half z. B. bei der Restaurierung der Georgenkirche in Wismar mit. Er wanderte sehr gerne oder unternahm kulturelle Exkursionen (ja, außerhalb der Eisenbahn…). Vor der „Vereinigung Trautheimer Bürger“ hielt er anschließend Vorträge über das Gesehene. Horst Troche hat über viele Jahre seine Frau Hanne liebevoll gepflegt, die an einer chronischen Krankheit litt; er verlor sie im Herbst 2008. Die Troches hinterlassen drei Kinder, denen genauso wie ihren Familien unser Beileid gilt.
Wir sind dem Menschen und dem Eisenbahner Horst Troche für sein Wirken zu großer Dankbarkeit verpflichtet und werden sein Andenken stets in besonderen Ehren halten.
Jörg Sauter und die Mitarbeiter des Eisenbahn-Kuriers