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Mit der Bahn auf die Rigi: Heute vor 140 Jahren wurde die erste Bergbahn Europas feierlich eingeweiht

Preview-2Lok 7 auf Bergfahrt. Foto: Rigi Bahnen AG

[21. Mai 2011] Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde das Reisen in die Alpenregion populär, insbesondere die Rigi am Vierwaldstättersee war schon damals durch die zentrale Lage ein sehr beliebtes Ziel.

rigi2Die Rigi-Bahn im Eisenbahn- und Verkehrsatlas von Mitteleuropa, „Beamtenausgabe“ von 1920.

 

rigi1Die Vitznau-Rigi-Bahn in einer zeitgenössischen Panorama-Darstellung.

rigi3Die Rigi-Bahnen in Nietmanns Eisenbahnatlas der Schweiz und Österreich-Ungarn.

Anfänglich zu Fuss, dann mittels Rigiträger mit Tragsänften oder per Pferd kamen die ersten Touristen und Pilger in Scharen auf den Berg. In der Zeit um 1720 zählte man jährlich bereits zwischen 12.000 und 17.000 Gäste. 

Der Bergtourismus mit den dazu erforderlichen Bergbahnen kam aber erst im 19. Jahrhundert so richtig in Fahrt und begann eigentlich mit einem Geburtstag. Denn ebenfalls heute vor 194 Jahren, am 21. Mai 1817 wurde in Guebweiler im Elsass Nikolaus Riggenbach geboren, der schon mit 16 Jahren eine Mechanikerlehre begann.

RiggenbachNikolaus Riggenbach

Mit 23 Jahren arbeitete er in der Keßler’schen Maschinenfabrik und stieg dort bald zum Geschäftsführer auf. Hier war er an der Konstruktion von mehr als 150 Lokomotiven beteiligt. 1856 wurde er Maschinenmeister und Chef der neuen Hauptwerkstätte in Olten, die er erfolgreich ausbaute. Hier beschäftigte er sich auch mit dem Eisenbahnbetrieb auf Gebirgsbahnen und entwickelte alsbald das nach ihm benannte Zahnradbahnensystem, für das er 1863 ein Patent in Frankreich erhielt.

rigi4Das Zahnradbahnensystem Riggenbach.

Zusammen mit den Ingenieuren O. Zschokke und A. Naef richtete er Mitte der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts an den Kanton Luzern das Gesuch, die Rigibahn bauen zu dürfen. Als bekannt wurde, dass eine ähnlich angetriebene Bahn bereits in Amerika in Betrieb sei, erteilte der Grosse Rat des Kantons Luzern am 9. Juni 1869 die Konzession. Das Initiativkomitee gründete eine Aktiengesellschaft und legte 1250 Aktien zur Subskription auf, die bereits am ersten Verkaufstag weit überzeichnet wurden.

Mitte September 1869 begann der Bahnbau. An Riggenbachs Geburtstag, am 21. Mai 1870, wurde mit der Lok Nr. 1, der "Stadt Luzern", die erste Probefahrt auf der 300 m langen Strecke in Vitznau zur Zufriedenheit durchgeführt.

rigi10Zwei Dampfzüge auf dem Weg zur Rigi im Bahnhof Vitznau. Man beachte die Drehscheibe mit den Zahnstangen.

Genau ein Jahr später, ebenfalls an Riggenbachs Geburtstag, konnte am 21. Mai 1871 die erste Bergbahn Europas festlich eingeweiht werden. Riggenbach selbst führte den Festzug auf Rigis Höhen, nach der damaligen Endstation Rigi Staffelhöhe.

rigi5Ein Zwei-Wagen-Zug mit Lok 15 bei Staffelhöhe. Im Tal liegt der Vierwaldstättersee.

Zwei Jahre später, am 23. Juni 1873 wurde die Strecke von dort bis zum Endpunkt Rigi Kulm (1.752 m ü.M.) verlängert. Die Gleise, die Anlagen und das Rollmaterial erforderten eine Summe von 1.250.000 Schweizer Franken.

rigi6Kreuzung von zwei Zügen im Bahnhof Romiti (1197 m).

Die Planungen sahen vor, dass jährlich 50.000 Gäste die Vitznau-Rigi-Bahn benützen würden. Die Wirklichkeit übertraf aber die Kalkulation. Im ersten Betriebsjahr fuhren über 60.000 Gäste mit der Zahnradbahn und im Jahr 1874 wurde erstmals die 100.000-Marke überschritten. Mit der Eröffnung der Arth-Rigi-Bahn senkten sich dann für einige Jahre diese Zahlen, um bis 1886 wieder auf 102.021 Besuche zu steigen.

Die Rigi-Bahnen besitzen heute den weltweit grössten betriebsfähigen Nostalgie-Zahnradbahn-Fahrzeugpark. Bestückt ist dieser mit Salonwagons aus der Belle Epoque, Dampfloks und dem ältesten betriebsfähigen elektrischen Zahnradtriebwagen der Welt. Alle Fahrzeuge werden regelmässig für spezielle Anlässe oder öffentliche Fahrten eingesetzt. 

rigi9Doppelzug der Rigibahn auf Rigikulm. Blick auf die Glarner Alpen.

Zwischen Rigi Staffelhöhe und Rigi Staffel trifft die Vitznau-Rigi-Bahn auf die 1875 in Betrieb genommene Arth-Rigi-Bahn von Arth-Goldau und verläuft mit ihr parallel hinauf zum gemeinsamen Endbahnhof Rigi Kulm. Beide Bahnen waren lange Zeit strikt getrennt und Konkurrenten. Einzige Verbindung war nur die Schiebebühne vor dem gemeinsamen Depot Rigi Kulm. In den späten 1980er Jahren wurde der letzte Anlauf zur Vereinigung der Rigi Bahnen in Angriff genommen. Ab 1988 wurden die Bereiche Verkauf/Marketing und kurz darauf der Baudienst unter eine gemeinsame Leitung gestellt, in der Absicht, eine Betriebsgemeinschaft zwischen den beiden Unternehmungen Arth- und Vitznau-Rigi-Bahn einzugehen. Eine Verbindungsweiche zwischen beiden Bahnen in Rigi Staffel wurde 1990 eingerichtet. Nach genauer Prüfung kamen die beiden Unternehmensleitungen zum Schluss, die beiden Gesellschaften zu einer neuen Aktiengesellschaft zu fusionieren. Diese Fusion wurde dann am 26. Mai 1992 (Arth-Rigi-Bahn) und am 27. Mai 1992 (Vitznau-Rigi-Bahn) durch die beiden Aktionärsversammlungen rückwirkend per 1. Januar 1992 vollzogen.

Die Gesellschaft ist heute unter dem Namen RIGI BAHNEN AG im Handelsregister des Kantons Schwyz eingetragen. Der Sitz ist in Goldau SZ (Gemeinde Arth) und die Direktion/Unternehmensleitung in Vitznau LU. Weitere Informationen sind auf der Internetseite www.rigi.ch zu finden.

Historische Schwarzweiß-Abbildungen: EK

 

Unser Filmtipp:

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Die ältesten Dampfloks der Schweiz unter Dampf

Mit einem Streifzug durch das EK-Verlagsprogramm zum Thema Bahnland Schweiz


2009 war für die Freunde der Schweizer Dampftraktion ein Jubeljahr – die „Genf“, Baujahr 1858, stieß nach 31 Jahren Stillstand wieder für einige Monate ihre Dampfwolken gen Himmel. Bei mehreren Sonderfahrten konnte die speziell für den Gebirgseinsatz von Wilhelm Engerth konzipierte Ec 2/5 Nr. 28 ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Auch die Nr. 7 der Vitznau-Rigi Bahn, die älteste betriebsfähige Zahnradlokomotive Europas, durfte nach 13 Jahren wieder zum Rigi-Kulm schnaufen. Weitere interessante Dampflokomotiven, wie die Malletlok Ed 2x2/2 Nr. 196 oder der Dampftriebwagen CZm ½ No.31, belegen die faszinierende Typenvielfalt der heute noch zu bewundernden betriebsfähigen Dampflokomotiven in der Schweiz.

Im 2. Teil der DVD werden Ausschnitte von bemerkenswerten Produktionen des EK-Verlages über Schweizer Eisenbahnthemen vorgestellt.
Laufzeit: ca. 40 Minuten, mit Streifzug durch das EK-Videoprogramm – Thema Bahnland Schweiz.

Die DVD kann unter der Nr. 8252 beim ekshop.de vorbestellt werden, die Auslieferung erfolgt nach Erscheinen im Sommer 2011.